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Meine Erfahrungen mit dem Archos G9 101 turbo

2 Kommentare

Ich habe mir im Dezember 2011 ein neues Arbeits-Spielzeug gönnen lassen: Ein Tablet-PC des französischen Herstellers Archos. Im folgenden also eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen der letzten letzten zwei Monate. Und eins vorweg: heute ist das Rücksendepaket an Amazon rausgegangen.

Tablet-PC als Alternative zum Netbook

Im Dezember musste ich mein Dienstnetbook abgeben, da der Projektzeitraum für meine Netbookklasse beendet war. Da mein altes Netbook, ein Dell Mini 9, schon etwas in die Tage gekommen ist, beschloss ich kurz um, meine schulischen Aktivitäten als Lehrer nunmehr mit einem Tablett-PC gestalten zu wollen. Konkret bedeutet dies in Anforderungen ausgedrückt:

  • Präsentationen über Beamer darstellen (also HDMI-Ausgang)
  • Meine Unterrichtsplanungen, Notenlisten anzeigen (also verfügbare apps für den Umgang mit dem open-document-format und pdf)
  • Mobiler Internetzugang, um die noch großen Lücken in der WLAN-Abdeckung unserer Schule zu stopfen
  • Erschwinglicher Preis (für solch ein Gerät kommt es für mich nicht in Frage 500-700€ auf den Tisch zu legen)
  • Aktuelle Android-Version mit Aussicht auf Icecream-Sandwich update
  • Zukunftssichere Hardware mit angemessener Prozessorgeschwindigkeit
  • Außerdem Standardaufgaben wie: Internetsurfen, Terminverwaltung (google-Kalender), email-Verwaltung, feedreader

Dass ich mit der einen oder anderen Einschränkung im Funktionsumfang im Vergleich zu einem Netbook rechnen musste, war mir klar. Dies ist für mich aber aufgrund der erhöhten Mobilität und Internetverfügbarkeit hinzunehmen.

Der sollte es sein: Archos G9 101 16GB turbo

Die Auswahl fiel nach einiger Recherche auf die neue Archos Serie namens G9. Im Dezember kamen in dieser aktuellen Serie sowohl 8″, als auch 10″ Versionen heraus. Dabei kann man wählen zwischen verschiedenen Speichergrößen (8GB/16GB SSD oder 250GB Festplatte) und wenn man sich die turbo Version der 10″-Version gönnen mag, auch zwischen der Prozessortaktung 1GHz oder 1,2GHz). Anzumerken ist hierbei allerdings, dass es sich bei dem vermeintlich schnelleren Prozessor nur um eine Übertaktung der Standardversion handelt. Archos möchte wohl in naher Zukunft auch eine weitere turbo-Version veröffentlichen, die dann mit echten 1,5GHz werkelt.

Das Tablet bietet für mich prinzipiell alles, was ich brauche. Einen Mini-HDMI-Ausgang, einen USB-Anschluss, eine wie ich finde geniale Lösung für einen nachrüstbaren quasi internen 3G-Stick für Standard-SIM, ausreichend Speicher (16GB erweiterbar mit micro-SD auf bis zu 48GB), Android 3.2 mit im ersten Quartal anstehendem update auf Android 4.0 ICS, die volle App-Bandbreite des Android-Market und das alles zum wirklich erfreulichen Preis von deutlich unter 400€ (inklusive 3G-Stick).

Und nun zu den Erfahrungen

Nach einer Weile, die es bis zum Release der Turbo-Version noch zu warten galt, lieferte Amazon wie gewohnt einwandfrei und schnell und ich konnte mich ans Alltagstesten des Gerätes machen.

Der erste Eindruck war wie erwartet. Die Verarbeitung doch recht solide, kein Hingucker à la Apfel-Tablet oder Galaxy-Tab, aber erstmal ein gutes Gefühl, dass Gerät in der Hand zu halten. Nach dem Start muss man sich durch das kurz und angemessen gehaltene Setup arbeiten und schon sieht man den kleinen grünen Androiden (Standardwallpaper) ins Angesicht. Schnell das System mit dem vorhandenen google-Account verknüpft und schon kann es losgehen. Emails, google+, Kalender – alles läuft auf Anhieb. Dabei ist die Gewöhnung an den Umgang mit dem Touchscreen für mich als Tablet-Neuling kein wirkliches Problem. Die Bedienung läuft im ersten Eindruck flüssig, die apps starten flott und alle Animationen laufen angemessen ansprechend und schön anzuschauen.

Zur Nutzung des mobilen Internets habe ich mir eine SIM-Card des Prepaid-Anbieters lidl-mobile zugelegt, die mit ihrer Monatsflatrate einen sehr günstigen Datentarif für Tablets/Notebooks anbieten. (7,2Mbit/s im O2-Netz, Drosselung erst ab 5GB für 14,99€ im Monat). Die SIM-Card funktionierte mit dem 3G Stick nach einstecken sofort und neben PIN-Eingabe ohne weitere Einrichtung.

Zur Darstellung meiner Dokumente bin ich bei der app mobile document viewer fündig geworden. Noch nicht perfekt ausgereift, reicht sie aber aus, um meine .odt und ods.-Dateien darszustellen. Bearbeitungen sind auf diesem Wege noch nicht möglich, aber das war für mich auch nicht unbedingt entscheidend. Zur Synchronisation meiner Daten greife ich auf dropbox zurück, welches in der aktuellen Android-Version nun auch die automatische Synchronisation von als Favoriten gekennzeichneten Daten unterstützt.

Nun aber zur Kehrseite der Medaille. Nach einer Weile traten immer wieder Probleme mit dem Touchscreen auf. Teils machte sich das Tablet selbstständig und tätigte Eingaben, für die ich nicht verantwortlich war, andererseits traten immer wieder und leider auch immer öfter Bereiche auf dem Screen auf, die sich quasi tot stellten, also auf denen keine Eingabe möglich war oder die erst beim fünfzehnten Mal tippen reagierten. Dabei kann man sich vorstellen, dass es äußerst unschön ist, wenn man nicht dazu in der Lage ist, ein „E“ einzugeben, weil es in einem toten Bereich des Touchscreens liegt. Meine Versuche zur Problembehebung waren wiederholte Kalibrierung des Touchscreens sowie eine Wiederherstellung des Werkszustandes. Leider blieben diese gänzlich ohne Erfolg.

Also mal vom Hersteller supporten lassen? – Denkste!

Meine Schlussfolgerung lag nahe, ich schloss natürlich auf einen Hardwaredefekt. Erste Anlaufstelle ist natürlich der Support des Herstellers Archos und ich hoffte (blauäugig) auf einen unkomplizierten Tausch des Gerätes gegen einen entsprechenden Ersatz, weil ich vom Gerät prinzipiell ganz angetan war. Aber nun taten sich nun Abgründe auf.

Versuch 1: Wir leben in einer modernen Welt, also kontaktieren wir doch einfach mal per Anfragemaske auf der Homepage. Alle Daten waren schnell eingegeben und die Anfrage problemlos abgesendet. Direkt im Anschluss habe ich, wie sich das gehört, dann auch eine Bestätigung der Anfrage erhalten, mit dem Verweis, dass binnen 48 Stunden eine Bearbeitung erfolgt. Nun gut, also heißt es warten…. 5 Tage später: Keinerlei Rückmeldung.

Versuch 2: Ok, geben wir dem Verein noch eine Chance: Online-Formular erneut ausgefültt, abgesendet, Bestätigung erhalten! … 4 Tage später: Nach wie vor ein einsam wartender Kunde ohne Rückmeldung.

Versuch 3,4,5,6: Also wählt man eine andere Kontaktmöglichkeit: Telefonsupport (natürlich kostenpflichtig!). Man ahnt es schon: Versuch 3, 4, 5 und 6 blieben erfolglos, da schlicht und ergreifend niemand am anderen Ende der Leitung es für nötig hielt, den Hörer abzunehmen. Und das trotz offiziell ausgeschriebener Supportzeiten.

Versuch 7: Oh man glaubt es kaum, jemand nimmt den Anruf entgegen! Nun da ich sachlich mein Problem darstelle (und mich dabei zusammenreiße, meine Support-Odysse zunächst einmal nicht zu klagen) erhalte ich vom vermeintlich kompetenten Supporter die Rückmeldung, dass ich mich ja für ein Tablet entschieden habe, welches nicht im oberen Preissegment befinde (es ist aber das teuerste, was der Hersteller bis dato produziert!) und ich deshalb ja auch nicht allzu viel erwarten könne! Da ich (unverschämterweise) daraufhin entgegnete, dass aber ein steuerbares Gerät mit funktionierendem Touchscreen für 330€ zu erwarten sei, nahm er dann doch meine Supportanfrage entgegen und sah ein, dass es sich um einen Hardwaredefekt handeln müsse. Interessant wurde es dann aber erst, als es um die Rückgabemodalitäten ging. Ich sollte doch bitte das Gerät samt Original-Rechnung an Archos zurücksenden, worauf hin diese dann entscheiden würden, ob eine Reparatur möglich sei oder das Gerät ausgetauscht werden müsse. Da mir in diesem Moment klar wurder, dass dies für mich eine monatelange Wartezeit ohne Gerät bedeuten würde, wurde mir der Mensch in der Leitung immer unsympatischer. Als dann noch klar wurde, dass Archos die Kosten der Rücksendung nicht übernehmen würde, war ich vollends von der Kundenpolitik des Unternehmens überzeugt. Aber was sollte ich tun, ich wollte ja ein funktionierendes Gerät.

Aber zum Glück gibt es Amazon

Nach diesem „ermunternden“ Gespräch beschloss ich ernsthaft über Alternativen nachzudenken. Leider war die einmonatige Rücksendefrist bei Amazon abgelaufen. Aber da muss doch was gehen! Somit machte ich mich auf in die Welt der Hilfeseiten auf Amazon.de. Und siehe da: Amazon bietet die Möglichkeit 2Jahre (ja wirklich die gesamte gesetzliche Garantiezeit!!!) defekte Elektronikgerät zurückzusenden! Einzige Voraussetzung: Ein direkter Kontakt zum Kundensupport. Da ich nun abgehärtet war, wollte ich mutig zum Hörer greifen…. Aber nein, nicht nötig: Man wird heutzutage von Amazon angerufen: Auf der Supportseite einfach Artikelnummer, kurze Problembeschreibung und die eigene Telefonnummer eingeben und eine Sekunde später klingelt das Telefon. „Willkommen beim Amazon-Kundeservice. Was kann ich für Sie tun?“ Beeindruckend! Gratis! Ohne Wartezeit!

Ich schilderte nun also mein Problem inklusive der Unfähigkeit des Herstellers, woraufhin die nette Dame am Telefon mir schlicht und ergreifend einen Link zusendete unter welchem ein fertig frankierter Rücksendeaufkleber zum Ausdrucken zu finden ist. Mit diesem kann die Ware einfach, gratis und unkompliziert retourniert werden. Da mein Wunsch, Kunde des Herstellers Archos zu sein nun erloschen war, wird die Retour gleich als Gutschein bei Amazon gutgeschrieben und ich werde mir einen anderen Tablethersteller wählen!

Für mich steht folgendes nun fest:

  1. Ich werde in absehbarer Zeit kein Kunde mehr bei Archos. Ausschlaggebend sind dabei nicht so sehr die Mängel an der Ware (das kann mal passieren), sondern vielmehr die unendliche Kundenunfreundlichkeit!
  2. Ich werde in absehbarer Zeit definitiv immer wieder bei Amazon kaufen, weil das Unternehmen neben vieler anderer Vorzüge, meines Erachtens ein großartiges Kundensupportsystem hat, welches man einfach gerne, unkompliziert, ohne Wartezeiten und mit sicherem Gefühl beanspruchen kann. (Von der Möglichkeit eines Live-Chats mit einem Supportmitarbeiter habe ich ja noch gar nicht geredet! Super Einrichtung!)
  3. Ich werde dem Projekt Tablet-PC im Unterricht definitiv eine weitere Chance geben, da ich, trotz der Ärgernisse, wahrlich Blut geleckt habe. Momentan habe ich das Motorla Xoom im Auge.

So wird bestimmt bald ein Artikel folgen, in dem es um weitere Tablet-Erfahrungen geht.

In diese Sinne, bleibt mir gesonnen!

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2 Kommentare zu “Meine Erfahrungen mit dem Archos G9 101 turbo

  1. Pingback: Das Motorola XOOM – Tablet die Zweite « Schorsch bloggt

  2. Hallo Schorsch,

    ich habe ähnliche schlechte Erfahrungen mit dem Support mit Archos gemacht. 13 Monate nach dem Kauf meines ARCHOS 101 G9 ging das Gerät bei nicht-entleerter Batterie plötzlich aus und macht seitdem keinen Mucks mehr. Der Archos-Support hat mich, da die 12 Monate Gewährleistung schon vorbei sind, an die FAQ verwiesen. Werde es jetzt auch mal bei Amazon, meinem Lieferanten, probieren.

    Gruß

    Heiko

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